Die Bubenreuther Eigenart

Aus: Ernst Höhne, Die Bubenreuther – Geschichte einer deutschen Burschenschaft, Erlangen 1936

Der eigentliche Mittelpunkt des Bubenreuther Lebens war von Anfang an Bubenreuth (...). Mitten unter den knorrigen und eckigen Bauern gedieh Bubenreuther Art am besten. Dort war die Bubenruthia bodenständig geworden. Eine Tradition hatte sich entwickelt mit festgefügten Bräuchen, die (...) mit dem ansässigen Bauerntum verknüpft waren.

Kneipe: Samstagabend ist Bubenreuther Kneipe, in Hemdsärmeln mit Band und Mütze. In der niedrigen Stube drängen sich die Burschen an den groben Tischen, um die Ofenbank haben die Bauern des Dorfes ihren Platz. Penning bringt die Steinkrüge. Zwei, drei Kneipzeitungen versprühen ihren Witz. Nur wenige „Dichter“ können bestehen und jeder ist Stolz, der von 20 oder 30 Armen an die Decke gestemmt und vorgezeigt wird. (...) Oder die unvergeßlichen Sommerabende draußen unter den Bäumen (...). „Der alte Zauber von Bubenreuth sprach wieder in seiner tiefen und heimlichen Sprache“, hat einst Walter Flex geschrieben.

„Studentischer Firlefanz“: Um 1900 entstand im Reich der Student, wie ihn die Fliegenden Blätter festgehalten haben; dick, aufgeschwemmt, elegant gekleidet, Cerevis auf dem Kopf, ein paar kleine Schmisse im Gesicht, in der Rechten die Zigarre, in der Linken das Sektglas. Es war der Student, der nichts aufzuweisen hatte als einen hohen Wechsel, der den Tag um die Ohren schlug und am Abend auf der Kneipe die Lieder von einer sonnigen und sorglosen Jugend sang. Mit diesem studentischen Typus hatte die Bubenruthia nie etwas gemein. (...)

Eigenbrödler: Man hat die Bubenreuther [vor allem im Kaiserreich] ausgelacht, hat sie unmodern gescholten, hielt sie für Eigenbrödler. Und gerade aus diesen ausgeprägten Gegensätzen zu der anderen Art des Burschentums entstand das, was wir die Bubenreuther Eigenart nennen; worum uns die anderen beneideten und weshalb sie uns teilweise haßten. Die Gegner sprachen verächtlich von Exklusivität; aber sie meinten in Wirklichkeit den Bubenreuther Stolz, der diese Eigenart schützte, weil sie ihm besser dünkte als mancher studentische Firlefanz.

Aus allen Ständen: Die Bubenreuther waren immer stolz darauf gewesen, daß sie keinen Mindestwechsel [Nachweis finanzieller Mittel] forderten. Es war eines ihrer Kennzeichen, ja ihrer besonderen Vorzüge, daß Sie über Leute aus allen Ständen verfügten. Die große Masse stammte wohl aus den Häusern von Beamten, Ärzten, Rechtsanwälten oder Pfarrern, aber daneben waren die Söhne von Handwerkern, Kleinbürgern, Bauern und Arbeitern nicht selten. (...) Viele haben zum Entsetzen anderer Verbindungsstudenten ihre Aktivenzeit hinter sich gebracht, ohne je einen Smoking oder Frack zu besitzen.

Vor den Kopf gestoßen: Leute, die eintreten wollten, wurden zum mindesten nicht gut behandelt, oft geradezu vor den Kopf gestoßen. Nur wenn sie auch dann noch beharrlich verlangten, aufgenommen zu werden, sagte man: Das sind die Rechten. Keiner sollte sich gefangen fühlen.

Links:
–  Bauern mit Mensurkenntnissen (Zeitstr. 1823)  >> weiterlesen
–  Was ist von der Idee übrig? (Zeitstr. 1884)  >> weiterlesen