Name und Zirkel der Bubenreuther

Aus: Ernst Höhne, Die Bubenreuther – Geschichte einer deutschen Burschenschaft, Erlangen 1936

Der Name, den die Burschenschaft [1817] selber führte, war: Deutsche Burschenschaft in Erlangen oder Allgemeine Erlanger Burschenschaft oder noch häufiger kurz Erlanger Burschenschaft. So unterzeichnet sie im Schriftverkehr, so nennt sie sich in den Protokollen und in den verschiedenen Ausgaben ihrer Verfassung und ihres Brauches, unverändert von 1817 bis in die vierziger Jahre.

Arminia: Alle anderen Bezeichnungen waren von Außenstehenden geprägt oder aufgezwungen oder zum Schutz gegen die behördliche Verfolgung gewählt. Auch der Name Arminia hatte keine große Bedeutung. Er wurde am 2.12.1817 in einer Ausschußsitzung für die Erlanger Burschenschaft aufgestellt, „um sie von den Burschenschaften anderer Universitäten unterscheiden zu können“. Aber schon diese Begründung ist nüchtern und entbehrt der inneren Anteilnahme und Wärme. Sie wurde hinfällig in dem Augenblick, als man erfuhr, daß auch auf anderen Universitäten der Name Arminia nicht selten war. Bereits am 17.1.1818 legte der Vorstand den Leuten ans Herz, den Namen Arminia soviel als möglich zu meiden und lieber dafür das Wort Burschenschaft zu setzen.

Erlangia: Im November 1819 taucht für kurze Zeit der Name Erlangia auf. Die Stammbücher geben uns hierüber genau Bescheid: Die bisherige Burschenschaft wird nur scheinbar aufgelöst. Die lokale Bezeichnung Erlangia löscht die Erinnerung an die Vergangenheit, während die Namen Teutonia, Germania, Arminia zweifellos an die Gesamtheit des deutschen Vaterlandes und die Einheit aller Deutschen mahnen sollten. Auch der Name Erlangia hielt sich in der Burschenschaft nur einige Monate.

Allgemeinheit/Arminia: Da kamen 1824 die großen Verfolgungen, jede Erinnerung an ein geschlossenes Gemeinschaftsleben mußte verwischt werden. Fur einige Zeit setzte sich der Name Allgemeinheit durch und wurde wenigstens im Gespräch mit den Erlanger Bürgern verwendet. Erst 1827, als Ludwig I. die Burschenschäften erneut duldete, suchte man wieder nach einem Namen, der für die Öffentlichkeit taugte. ,,Erlanger Burschenverein“ schlug man in den Satzungen vor, die der Universität eingereicht wurden. Aber der Name war noch zu anrüchig. Die alten Einheitsbestrebungen, die mit ihm verknüpft waren, wollte die Regierung nicht mehr aufleben lassen. Der Name wurde abgelehnt und erst ein geänderter Vorschlag mit der Bezeichnung Arminia wurde 1828 genehmigt.

Keine Neugründung: Es ist also falsch, wenn in den Geschichtswerken erzählt wird, am 6.6.1826 sei „eine Arminia gegründet“ worden. In Wirklichkeit trat an diesem Tag nur eine neue Verfassung in Kraft; als Name blieb nach wie vor: Erlanger Burschenschaft. Und als sich am 12.2.1827 die Germania loslöste, gab es in Erlangen eine „Burschenschaft“ und eine „Germania“. Erst durch den behördlichen Zwang wurde aus der „Burschenschaft“ vor der Öffentlichkeit eine „Arminia“, ebenso aus der „Germania“ eine „Amicitia“; nur die Außenstehenden prägten der Einfachheit halber das Schlagwort vom Gegensatz der germanistischen und der arministischen Richtung.

Bubenruthia: „Vivat Bubenruthia!“ lesen wir zum erstenmal auf einem Stammbuchblatt des Jahres 1823. Auch in den folgenden Jahren ist noch ein paarmal von den „Bubenreuthern“ die Rede; aber es wird sich hier kaum um eine bestimmte abgrenzende Bezeichnung gehandelt haben. Erst nach 1833 bürgerte sich der Name ein; er war unter allen der ungefährlichste.

Zirkel: Noch mehr Verwirrung brachten die Zirkel in die Frage des Namens. Die Stammbücher geben folgendes Bild: Das Jahr 1818 zeigt nur Arminenzirkel in Form eines verschlungenen „A“. 1819 werden sie abgelöst durch den Zirkel der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft, das verschlungene „EFV“, das auf den Wahlspruch Ehre, Freiheit, Vaterland hinweist; bis 1821 finden wir diese Form (...). Daneben tritt gleichzeitig seit 1819 der Germanenzirkel auf, der immer häufiger wird und von 1822 bis 1828 allein das Feld beherrscht. Erst 1830 treffen wir gelegentlich wieder den Arminenzirkel. Dann verschwinden die Zirkel bis 1837 völlig, da das Symbol der Burschenschaft zu gefährlich ist. Seit 1837 setzt sich allmählich der Bubenreuther Zirkel durch; daneben trifft man noch vereinzelt das verschlungene EFV der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft.

Germanen-Zirkel: Das Sonderbarste ist die Tatsache, daß noch 1827, als es bereits eine Germania gab, ja sogar 1828 und 1829 — in der Zeit, als die Stammburschenschaft schon den Namen Arminia führte —, auch von den sogenannten Arminen ausschließlich mit dem Germanenzirkel gezeichnet wurde. Die Lösung des Rätsels ist nicht schwer: man begnügte sich für den eignen Bund mit der Bezeichnung Erlanger Burschenschaft. Darüber hinaus hatte man sich weder auf einen Namen noch auf einen Zirkel festgelegt. Ein „Vivat Germania!“ kam jedem deutschen Burschen aus dem Herzen. Bis 1830 enthielt das Symbol dieses Zirkels nichts als ein Bekenntnis zur deutschen Einheit. Niemand empfand bis dahin in dem Wort Germania die Bezeichnung einer burschenschaftlichen Richtung oder gar einer studentischen Korporation. Ja, allem Anschein nach lag sogar der Stammburschenschaft der Name Germania näher als der aufgezwungene Name Arminia.

Kaum lösbares Wirrwarr: Rechnet man zu diesen Bezeichnungen auch noch den Namen Concordia, der für die Absplitterungen mehrfach gewählt wurde, und den Namen Teutonia, den der Sandsche Kreis und später die Absplitterung von 1828 führte, so versteht man, daß die polizeilichen Untersuchungsbehörden sich vor einem kaum lösbaren Wirrwarr befanden. Hinter jedem Namen sah man eine eigene Verbindung und suchte mit allem Scharfsinn nach dem Tag der Gründung und der Auflösung. Die geschichtliche Forschung setzte diese Bemühungen fort und übersah dabei den ununterbrochenen Zusammenhang von 1817-1849, der gerade für die Entwicklung der Erlanger Burschenschaft so wesentlich ist, weil er an anderen Hochschulen keine Parallele hat.

1. Dezember versus 9. Mai: So konnte auch die Sage entstehen, daß die Bubenruthia am 9.5.1833 gegründet worden sei, obwohl dieser Tag der Trauer [erzwungene Auflösung nach Hambacher Fest und Frankfurter Wachensturm, siehe Geschichte 1839] wahrhaftig nichts mit einer Gründung zu tun hatte. Der wirkliche Gründungstag ist der 1.12.1817; der 1.Dezember war im ersten Jahrzehnt der höchste Festtag der Burschenschaft; an ihm wurde alljährlich die Verfassung beschworen. 1818 wurde z.B. vom Prorektor die Erlaubnis erteilt, den 1. Dezember öffentlich den ganzen Tag und die Nacht zu feiern und auf dem Markt diese Feier morgens sechs Uhr mit Gesang zu eröffnen. Selbst die Kollegien sollten eingestellt werden. (...) Sogar in den dreißiger Jahren noch zog man am 1. Dezember aus zu Gründungsfeier und festlichem Kommers. Aber mehrmals war man hart daran, von der Polizei ausgehoben zu werden und es setzten bereits gefährliche Verhöre ein. Da verzichtete man schließlich und tilgte die Zusammenhange völlig. Als aber 1843 das Universitätsjubiläum der Burschenschaft einen so gewaltigen Auftrieb gab, lag es nahe, an den 9. Mai 1833, den Tag der Auflösung, zurückzudenken; man konnte mit Stolz feststellen, daß die Burschenschaft trotz der Auflösung zehn Jahre ausgehalten hatte und wieder unerschütterliche Lebenskraft besaß. 1853 wiederholte man dieses Fest und lud wie 1843 die Philister ein. Schließlich gewöhnte man sich an das Datum und behielt es über ein halbes Jahrhundert, bis die tatsächlichen geschichtlichen Zusammenhänge wieder aufgedeckt wurden.

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