1855 | Das „Bubenreuther Programm“ soll die burschenschaftliche Bewegung in Deutschland einen.
Krise: Zu Beginn der 1850er Jahre steckt die deutsche burschenschaftliche Bewegung in einer tiefen Krise: Das Paulskirchen-Parlament ist gescheitert, alte politische Verhältnisse ziehen wieder ein, Schwarz-Rot-Gold wird erneut verboten; überdies wirken burschenschaftliche Richtungsstreitigkeiten der 1840er Jahre nach. Mit einem eigenen Konzept wollen die Bubenreuther daran gehen, die Burschenschaften wieder zu sammeln, zunächst mit Erfolg: Das „Bubenreuther Programm“ wird zum Schlagwort für eine burschenschaftliche Richtung. Es umfasst die Prinzipien „Vaterlandsliebe“, „Sittlichkeit“ und „Wissenschaftlichkeit“, verbietet das Duell als Selbstzweck und stärkt den Zusammenhalt zwischen studierenden und ehemaligen Burschenschaftern.
Kiel: Der erste Kontakt gelingt 1855 in Kiel:
Karl Schmidt sprengt den biederen „Kieler Kneipverein“ durch eine zündende Rede und gründet eine Burschenschaft mit dem Namen „Teutonia“. Schmidt wird deren erster Sprecher und gibt dem Bund eine Verfassung, die in den Grundsatzfragen dem Bubenreuther Brauch gleicht. 1856 schließen die Bubenreuther und die Teutonen einen Verbund, der die Keimzelle der neuen burschenschaftlichen Bewegung sein soll.
Konfrontation: In den Jahren darauf finden weitere Burschenschaften den Weg in den Zusammenschluss, Stimmung und Zusammenhalt entwickeln sich vielversprechend. Doch 1860 stoßen Bünde hinzu, die Teile das Bubenreuther Programms nicht mittragen wollen. Die Fronten verhärten sich, dem Burschentag zu Frankfurt bleiben die Bubenreuther fern – ein schwerer Fehler, denn in ihrer Abwesenheit werden sich die anderen einig, unter ihnen selbst die Kieler Teutonen. Sie weichen das Bubenreuther Programm auf und gründen das „Süddeutsche Kartell“. Der Einigungsversuch hat sich ins Gegenteil gekehrt, die Konfrontation schafft eine weitere Partei.
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